Fragen

Was ist Logopädie?

logos „Wort, Rede“ + paideia „Erziehung“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen.

Der Begriff Logopädie (Synonym für Sprachheilkunde) wurde in den 1920er Jahren durch den Wiener Phoniater Emil Fröschel eingeführt.

Die Berufsbezeichnung Logopädin / Logopäde ist gesetzlich geschützt.

Im Bereich von Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen sind Logopädinnen / Logopäden kurativ, rehabilitativ als auch präventiv in allen Altersgruppen tätig.

Welche Störungsbilder werden in der Praxis behandelt?

Sprachstörungen:
Verbale-Sprachentwicklungsstörungen, -behinderungen (SES, SEB, Dysgrammatismus, Dysphasie)
Schrift-Sprachentwicklungsstörungen (Dysgrafie, Dyslexie, LRS – Lese-Rechtschreib-Störungen)
erworbene Sprachstörungen bei Erwachsenen (Aphasie)

Sprechstörungen:
Störungen der Lautbildung / Artikulation (Dyslalie, Rhinolalie)
erworbene Sprechstörungen (Dysarthrie, Sprechapraxie)
Störungen des Redeflusses / Sprechablaufes (Stottern, Poltern)

Stimmstörungen:
organische, funktionelle Stimmstörungen (Dysphonie, Aphonie), speziell bei SängerInnen mit Beteiligung der Gesangstimme (Dysodie)
funktionelle und organische Stimmklangveränderungen (Rhinophonie)

Schluckstörungen:
myofunktionelle Störungen meist in Verbindung mit einer kieferorthopädischer Behandlung
erworbene Ess-, Trink- und Schluckstörungen nach stationärer Akutphase (Dysphagie)

Hörstörungen:
Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen bei hörgestörten oder mit Hörgeräten oder CI versorgten Patienten
zentrale Hörverarbeitungsstörungen mit Störung von Artikulation / Schriftsprache / Sprachverständnis in Verbindung mit Legasthenie

Wie bekomme ich Logopädie?

Gesetzlich-Krankenversicherte:
Logopädie ist eine Kassenregelleistung im Rahmen des Sachleistungsprinzips / Dientstleistungsprinzips. Versicherte / Patienten über 18 Jahre müssen in der Regel eine Eigenbeteiligung / Zuzahlung nach gesetzlicher Regelung (SGB) leisten. Diese setzt sich aus der Verordnungsblattgebühr von 10,- € und 10 % des Verordnungswertes zusammen. Als kostenloser Inkassodienstleister der GKVen muss die Praxis diese Eigenbeteiligung / Zuzahlung von dem Versicherte / Patienten einziehen; diese wird dann von der jeweiligen GKV in Abzug gebracht.

Kinder bis 18 Jahre sind nach wie vor von Zuzahlungen ausgenommen.

Durch ihre Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung haben sie als Versicherter / Patient einer gesetzlichen Krankenversicherung einen Rechtsanspruch im Rahmen der gesetzlichen Regelungen (*WANZ) auf: Sprachtherapie, Sprechtherapie, Stimmtherapie oder Kombinationen

Damit ist die Logopädische Therapie als Komplexleistung für GKV-Versicherte ausgeschlossen.

Ihr Vertragsarzt wird Ihnen beim Vorliegen einer Sprach-, Sprech-, Stimm- Schluck- oder Hörstörung und nach einem ärztlichen Befund mit Diagnose, eine kassenärztliche Verordnung innerhalb der Vorgaben des SGB (*wirtschaftlich, notwendig, ausreichend, zweckmäßig) ausstellen. Kassenärztliche Verordnungen sind nach den Heilmittelrichtlinien auszufertigen.

Ärztliche Privatverordnungen von Versicherten / Patienten einer gesetzlichen Krankenkasse werden nur angenommen, wenn diese auf Aufforderung der Versicherten / Patienten ausgestellt wurden.

Privat-Krankenversicherte:
Versicherte / Patienten privater Krankenversicherung sollten sich um eine heilkundliche Verordnung bemühen, um je nach Vertragsgestaltung mit ihrer privaten Krankenversicherung eine Erstattungsmöglichkeit zu erhalten. Von einer heilkundlichen Verordnung benötigen wir lediglich eine Kopie. Unsere Leistungen rechnen wir direkt mit ihnen als Patient / Versicherter ab.
Für logopädische Leistungen existiert keine gesetzliche Gebührenordnung  und die GOÄ ist rechtlich nicht anwendbar. Es muss ein Behandlungs- und Honorarvertrag mit Ihnen abgeschlossen werden. Je nach Vertragsgestaltung mit ihrer Krankenversicherung erhalten Selbstzahler als Privat-Krankenversicherte eine volle oder anteilige Erstattung oder müssen die Behandlung im vollen Umfang selbst bezahlen.

Beihilfeberechtigte Versicherte / Patienten müssen erfahrungsgemäß – je nach Vertragslage – mit einer hohen Selbstbeteiligung rechnen, da selbst das Bundesministerium des Inneren die Beihilfesätze als nicht kostendeckend erachtet. Das Bundesministerium des Inneren definiert die Beihilfe als Anteil der Eigenvorsorge (Rücklagenbildung).

Privat-Krankenversicherte-Gebühren:
Immer wieder versuchen Private-Kranken-Versicherungen bei Ihren Kunden / Versicherten den Anschein zu erwecken, dass unsere Gebührensätze nicht ortsüblich oder überhöht wären. Gleichzeitig bieten viele PKVen private Ergänzungsversicherungen an, die die nach dem Bundesministerium des Inneren nicht kostendeckenden Beihilfesätze zu einer erhöhten Erstattung erweitern sollen. Umgekehrt wird uns von den PKV’en und der Beihilfe die Information gegeben, dass Sie als Versicherter auch über entsprechende Eigenleistungen  – je nach Vertragslage –  aufgeklärt sein müssten.
Dazu gibt es im Bereich der Logopädie / Sprachheilkunde ein eindeutiges gerichtliches Urteil für Bayern, welches den oben genannten anscheinend nicht bekannt ist:

Amtsgericht München 17.07.2008
Geschäftsnummer: 244 C 4977/07

Auszug der Entscheidungsgründe:

[…] Aus dem Sachverständigengutachten des […] ergibt sich, dass für eine 45-minütige logopädische Therapie eine Vergütung zwischen EUR 53,75 und 82,50 angemessen und üblich ist. Der hier in Ansatz gebrachte Betrag von EUR 65,00 für eine Behandlungsdauer von 45 Minuten liegt daher am unteren Ende der Skala und begegnet insofern keine Bedenken. Der Gutachter führt hierbei aus, dass Beträge, die sich in den Vergütungslisten der Primärkassen für den Bereich Bayern befinden, wie bei Ärzten mit den 1,8 bis 2,3fachen Steigerungsfaktor in Ansatz gebracht werden können. Bei Ansatz eines 2,3fachen Faktors ergäbe sich sogar eine Gebühr von EUR 82,50 für eine 45-minütige Behandlung. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Abrechnung der Klagepartei nicht zu beanstanden und bewegt sich eher unter der Höhe ortsüblicher Entgelte. […]

Beispielrechnung zur Orientierung:

Die seit 01.07.2019 bundeseinheitliche  33103 Einzelbehandlung (45 Minuten mit dem Patienten / Faktor 1) 55,64 €   Faktor 2,3 = 127,97 €

In Anlehnung an dieses Urteil werden die Honorarsätze kalkuliert.

Selbstverwaltete Gesundheitssolidargemeinschaft:
Bei Angehörigen von selbstverwalteten Gesundheitssolidargemeinschaften gibt es keine Besonderheiten oder Einschränkungen (wie z.B. bei gesetzlich oder privat Krankenversicherten) zu Beginn und im Verlauf der Logopädie, da die Eigenverantwortlichkeit, die Motivation für gesunde Lebensführung, die Orientierung an Alternativen und die unbeeinflusste Wahlfreiheit des therapeutischen Weges im Vordergrund stehen. Ein Ausgleich für die erbrachten logopädischen Leistungen erfolgt auf individueller monetärer oder materieller oder auch immaterieller Ebene.

Wann sollte man mit einer logopädischen Therapie beginnen?

Es gilt der Grundsatz: „Je früher, desto besser!“. Bedingt durch die permanenten Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem gibt es vielerorts trotz Versorgungs- bzw. Sicherstellungsauftrag der gesetzlichen Krankenversicherungen eine erhebliche logopädische Unterversorgung und damit gleichzeitig auch zum Teil erhebliche Wartezeiten auf einen logopädischen Therapieplatz.
Verschärft wird diese Situation durch immer mehr unnötige und gleichzeitig kostentreibende Bürokratie und Verwaltungsarbeit, die uns durch den Bundesausschuss von gesetzgeberischer Seite politisch aufgezwungen wird. Bedenken sie bitte, dass eine logopädische Therapie in der Regel mehrere Monate bis Jahre dauern kann. Melden Sie sich deshalb so früh wie möglich an!

Sprachliche Defizte und Störungen können sich festigen und automatisieren. Je später die logopädische Intervention beginnt, umso länger, aufwendiger und nicht zuletzt kostenintensiver wird die Behandlung.

Vorschulkinder:
Vorschulkinder können in der Regel nur am Vormittag behandelt werden.

Schulkinder:
Schulkinder müssen am Nachmittag behandelt werden (Schulpflicht!). Da die Anmeldungen von Schülern, Jugendlichen in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist, kommt es zu erheblichen Wartezeiten.

Erwachsene:
Patienten mit neurologischen Störungen (z.B. Schlaganfälle – Aphasie / Schluckstörungen – Dysphagie) werden, um einen möglichst übergangslosen Wechsel von einer stationären und/oder Reha-Maßnahme zur logopädischen Therapie anbieten zu können, in der Praxis nach Möglichkeit terminlich vorrangig berücksichtigt.